Eine rechts-bürgerliche Allianz sorgte für die Annahme des Kürzungsantrages. (Illustration: Vy Linh Nguyen)

Um 6,4 Millionen Franken gekürzt

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Der Kantonsrat spart beim Bildungsbudget 2021. Was steckt dahinter?

Mitte Dezember 2020 entschied der Kantonsrat, die Universität Zürich nicht mit den vom Regierungsrat vorgesehenen finanziellen Ressourcen zu unterstützen. Zurückzuführen ist die Kürzung von 6,4 Millionen Franken auf einen Antrag der FDP. Dieser wurde nachfolgend in der Kommission für Bildung und Kultur diskutiert und schliesslich von einer bürgerlichen Allianz aus SVP, FDP und GLP angenommen. Begründet wurde der Antrag mit der Annahme, dass Dozierende während der Online-Uni weniger Zeit in die Betreuung der Studierenden investieren müssen. Aber trifft das auch zu?

Digitalisierung hat ihren Preis 

Isabel Leder, Co-Präsidentin des VSUZH, kommentiert: «Ich denke, dass hier ein Missverständnis darüber vorliegt, was digitale Lehre ist und wie sie zustande kommt. Dabei wird der Aufwand ignoriert, den es braucht, um die Lernatmosphäre neu zu gestalten.» Auch die Kantonsrätin Qëndresa Sadriu (SP) teilt diese Meinung. Sie war bei der Debatte der Kommission für Bildung und Kultur dabei. Für sie ist das Digitalisierungs-Argument weder sinnvoll noch nachvollziehbar. Denn: «Beim Fernunterricht ist der eigentliche Aufwand für die Lehre, die Leistungsüberprüfung und die Betreuung der Studierenden insbesondere am Anfang mindestens gleichbleibend, wenn nicht höher.» Langfristig könne man mit der digitalen Lehre zum Beispiel bei grösseren Hörsälen einsparen. Gleichzeitig seien die Studierendenzahlen, die allein in den letzten fünf Jahren um 8,5 Prozent gestiegen sind, für die Betreuung eine Herausforderung, der man mit langfristigen Lösungen begegnen müsse.  Ob wirklich Sparpotenzial besteht, ist fragwürdig.

Nichtsdestotrotz hat das Digitalisierungs-Argument in der Parlamentsdebatte überzeugt. Die Antragsstellenden gehen davon aus, dass sich aufgrund der Digitalisierung Gelder einsparen lassen.  «Dass Digitalisierung insbesondere in der Anfangsphase einen Mehraufwand bedeutet, scheint der Kommission bei diesem Kürzungsantrag aber nicht klar zu sein.» 

Zielkonflikt im Kantonsrat

Der Beschluss des Kantonsrates ist aus weiteren Gründen fragwürdig. «Die Antragsteller*innen sind meiner Einschätzung nach ziemlich willkürlich auf den Betrag gekommen. Anfangs sollte man mit dem Antrag der FDP 10 Millionen einsparen, später wurde der Betrag auf  6,4 Millionen geändert», erläutert Sadriu. Die Zahl sei ganz im Sinne von «Handgelenk mal Pi» zustande gekommen. Ein weiterer Punkt, weshalb der Beschluss nicht durchdacht scheint, ist die Digitalisierungsinitiative (DIZH) an den Zürcher Hochschulen, für die der Kantonsrat 10 Millionen Franken jährlich im Zeitraum von 2020 bis 2029 für die Zürcher Hochschulen zugesprochen hat. «Gleichzeitig haben wir in den letzten zwei Jahren über 10 Millionen Franken in diesem Bereich gekürzt», konstatiert Sadriu. 

Sie hat das Gefühl, dass ein Teil des Kantonsrates zweigleisig fährt. «Einerseits möchte man als Digitalisierungsheld*in dastehen. Andererseits will man den Umsetzungsaufwand nicht wahrhaben und streicht digitalisierungsrelevante Aspekte aus dem Budget.» Klar ist, dass eine digitalisierte Lehre, die auf alle Beteiligten Rücksicht nimmt, nötig ist. Dafür brauche es finanzielle Mittel, unterstreicht Sadriu: «Die Bildungsdirektion und die Hochschulen zeigen in der Corona-Krise einerseits auf, dass man anders unterrichten kann. Andererseits wurde auch deutlich, wo Probleme vorhanden sind. Ohne finanzielle Mittel können wir diese nicht beheben.»

 

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