Seit den Achtzigern zeigt das Xenix Filme auf der Leinwand drinnen wie draussen. (Bild: Dagmar Lorenz)

Von der Baracke zum Bijou

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Das Kino Xenix ist bekannt für sein erlesenes Monatsprogramm. Weniger präsent ist seine bewegte Geschichte.

Schauplatz in den 1980ern: Züri brännt. Für Schweizer Verhältnisse nahmen die Jugendunruhen ein besorgniserregendes Ausmass an. «Eine zentrale Forderung der Jugendlichen war ein autonomes Jugendzentrum, wo sie ihre Vorstellungen von Kultur verwirklichen konnten», erklärt Christian Koller, Direktor des Schweizerischen Sozialarchivs. Denn die «zürcherische Kulturpolitik gab den Jugendlichen damals das Gefühl, sie interessiere sich für nichts anderes als für das Schauspiel- und das Opernhaus. Daneben gab es noch die kommerziellen Kinos, aber das war’s dann auch schon», so Koller.

Um ihrem Bedürfnis nach alternativen Filmen nachzukommen, gründete eine Gruppe von Jugendlichen im Rahmen eines Projekts des Autonomen Jugendzentrums Zürich den Filmclub AJZ-Kino, der Vorläufer des heutigen Xenix. Das Xenix ist nebst dem Radio LoRa die einzige noch existierende Institution, die direkt auf das AJZ zurückzuführen ist. Seine Erfolgsgeschichte verlief jedoch nicht ganz reibungslos.

Beschränktes Filmkontingent

Sinnbildlich für die entwurzelte Jugend der 1980er fand auch der Filmclub lange kein Obdach, wie Koller ausführt: «Nach der Schliessung des AJZ im Jahr 1980 und den darauffolgenden Wanderjahren weilte das AJZ-Kino kurz in einer besetzten Liegenschaft am Tessinerplatz, fand dann Unterschlupf im Sexkino Walche, bis es 1984 unter dem Namen Xenix in die Kindergartenbaracke auf dem Kanzleiplatz ziehen konnte.» An die ersten Jahre erinnert sich Eric Staub, Geschäftsführer des Xenix, noch gut: «Es war ein furchtbares Geknorze, die Baracke war alles andere als kinotauglich.» Nebst der bescheidenen Infrastruktur mühten sich die Kinomacher*innen mit administrativen Hürden und hohen Kosten ab, um an Filme zu kommen. «Lange gab es ein Kontingent, wie viele Filme die Schweiz importieren durfte – das muss man sich mal vorstellen!», sagt Staub. Doch die Voraussetzungen besserten sich.

Spätestens ab 1991 professionalisierte sich das Kino und bietet heute ein monatlich wechselndes, thematisch stimmiges Programm an. «In den Fussstapfen des AJZ-Kinos präsentieren wir noch heute sozialpolitisch relevante Filme – nebst vielen anderen natürlich», so Jenny Billeter. Die studierte Filmwissenschaftlerin ist seit 2017 Co-Leiterin Programmation beim Xenix. Bei der «informiert subjektiven» Filmauswahl fokussieren sich Billeter und ihr Kollege René Moser jeweils auf eine relevante Person wie ein*en Schauspieler*in oder Regisseur*in, ein Thema oder eine Region. Der Dezember wird nun ganz im Zeichen der Schauspielerin Laura Dern stehen, wobei sicherlich auch der eine oder andere analoge Film über die Leinwand flimmern wird.

Gegen den Lauf der Zeit

Nebst dem Filmpodium ist das Xenix der einzige Ort, wo Zürcher*innen noch analoge Filme geniessen können. «Die 35mm-Filme sind einfach schöner», schwärmt Jenny Billeter. Die Liebe zum Film verbindet die Mitglieder des Xenix, die etwa ein Drittel der Besucher*innen ausmachen. Filmschaffende und Filmliebhaber*innen können sich zehn Mal im Jahr bei den im Xenix stattfindenden Zürcher Filmtalks austauschen. Im Dezember wird zu den prekären ökonomischen Bedingungen in der Filmbranche diskutiert. Doch für Billeter ist es das Grösste, «wenn wir im Sommer unsere grosse Leinwand auf den Kiesplatz vor dem Kino stellen und mit unseren Besucher*innen ausgewählte Filmperlen geniessen».

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