Eine Band tritt beim Lauter Festival in familiärer Atmosphäre auf. Bild: Jonathan Labusch

Eine Band tritt beim Lauter Festival in familiärer Atmosphäre auf. Bild: Jonathan Labusch

Vorfreude auf Livemusik

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Anfang November gibt es zweitägig «eis a d’Ohre»: Das Lauter Festival findet wieder statt.

Der langersehnte Festivalsommer fiel dieses Jahr coronabedingt äusserst mau aus. Doch wer Livemusik hören möchte, hat bald wieder Gelegenheit dazu: Das Zürcher Lauter Kollektiv lädt vom 5. bis 6. November zur 13. Ausgabe des Lauter Festivals ein. Das unkonventionelle Gratisfestival an der Gessnerallee findet nach knapp zwei Jahren Pause wieder statt. Was als kleines Projekt eines Gitarrenlehrers im Seefeld begann, ist heute das grösste Gratis-Indoor-Musikfestival der Stadt. Mittlerweile besteht das Lauter aus einem jungen Kollektiv, das neben der Festival-Organisation auch ein Musiklabel für lokale Künstler*innen betreibt.

Facettenreiches Kollektiv

Wer der Gruppe zugehörig ist, profitiert von einer beträchtlichen Ansammlung an Knowhow. «Wir wurden schon als Selbsthilfegruppe bezeichnet», meint Raphael Weidmann, der in der Festivalleitung tätig ist, verschmitzt. Die Musiker*innen helfen sich untereinander. Dies schafft eine entspannte und freundschaftliche Atmosphäre innerhalb des Kollektivs.

Das Lauter Kollektiv setzt auf Diversität, sowohl vor als auch hinter der Bühne. Es hat sich der Keychange-Initiative verpflichtet, die mindestens 50 Prozent Nicht-Männer-Anteil auf der Bühne fordert. Das Ziel wird dieses Jahr übertroffen, denn in 66 Prozent der Bands ist mindestens eine Person, die sich nicht als Mann identifiziert. Weidmann begrüsst diesen Entscheid: «Das Lauter Festival war früher ein Männerhaufen. Von dem möchten wir wegkommen, denn das ist nicht mehr zeitgemäss.»

Auswirkungen der Corona-Pause

2020 musste das für den Frühling angelegte Festival verschoben werden, wegen der Pandemie und der daraus resultierenden Planungsunsicherheit. «Die Kunstszene hatte es nicht einfach», bedauert Viviana Pinto, die neben ihrem Studium an der Uni Zürich in der Festivalgeschäftsleitung aktiv ist. «Wir haben mit dem Gedanken gespielt, ein kostenpflichtiges Ticketsystem einzuführen wegen der finanziell schwierigen Lage. Doch wir finden, dass Kultur allen zugänglich gemacht werden soll. Somit bleibt das Festival gratis und ohne Altersbeschränkung.»

Die Pandemie brachte laut Pinto auch positive Aspekte mit sich: Die Künstler*innen nutzten ihre überschüssige Zeit kreativ – es entstanden die berüchtigten Lockdown-Alben. Louis Keller, der mit seiner Band als Gamma Kite am Festival auftreten wird, hat ein solches Album realisiert. Der Musiker, der schon seit zwei Jahren mit seiner Band probt, freut sich besonders auf die gute Stimmung. Gitarrist und Sänger der Band Liam Haller verrät: «Wir hatten unüblich viel Zeit, die Songs einzustudieren.»

Lokaler Fokus

Das diesjährige Festival findet in einem kleineren Rahmen statt. In den vergangenen Jahren versuchte das Kollektiv einen stimmigen Mix aus nationalen und internationalen Bands zu buchen. So trat etwa die deutsche Band AnnenMay- Kantereit am Lauter Festival erstmals in der Schweiz auf. Dass dieses Jahr neben Schweizer Musiker*innen nur eine ausländische Band spielt, hat laut Pinto auch etwas Gutes: «Man hat die Möglichkeit, sich gezielt auf die Schweizer Musikszene einzulassen. Denkt man an nationale Musik, kommt man schnell auf Patent Ochsner oder Hecht. Dabei ist die Schweizer Musikszene so vielfältig.»

Gerade gegenüber den vergangenen zwei Jahren bietet der Besuch eines Gratisfestivals, das den Fokus auf junge und lokale Musiker*innen legt, eine willkommene Abwechslung.

 

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