Viele Studierende müssen pandemiebedingt aufs Geld schauen. (Bild: Jonathan Progin)

Wenn das Geld nicht reicht

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Die Universität Zürich zahlt Pandemie-Nothilfe an bedürftige Studierende. Auch im Herbstsemester nimmt sie wieder Anträge entgegen.

Bis zu 6’000 Franken erhalten, ohne dafür zu arbeiten? Dank der im Frühjahrssemester initiierten Pandemie-Nothilfe der Uni, die Studis in Geldnot während der Corona-Krise finanziell entlastet, soll das Realität sein. Dabei müssen Beträge bis zu 3’000 Franken nicht zurückbezahlt werden; Summen darüber sind zinslose Darlehen, die die Empfänger*innen bis zwei Jahre nach Abschluss zurückzahlen müssen.

«Das Ziel ist, die Notlage der Studierenden angesichts der Pandemie zu mildern. Ausserdem sollen Studienunterbrüche und -abbrüche verhindert werden», sagt Brigitte Ortega, Leiterin der für die Gesuche zuständigen Fachstelle Studienfinanzierung der Uni. Aufgrund hoher Lebenshaltungskosten hierzulande geht das Gros der Studis einem Nebenjob nach. Infolge der Corona-Krise verloren diesen jedoch einige oder waren in Kurzarbeit. Die Pandemie-Nothilfe ist da ein willkommenes Angebot. Isaias Moser, Co-Präsident des VSUZH, zeigt sich zufrieden: «Wir freuen uns, dass die Uni Zürich als eine der ersten Schweizer Hochschulen Initiative ergriffen hat.»

Minimaler Aufwand für Nothilfe

Beantragen können die Studierenden die Pandemie-Nothilfe der Uni mittels eines Online-Formulars. Bedingung ist ein Vermögen unter 6’000 Franken und ein Gesamteinkommen von bis zu 15’000 Franken netto während sechs Monaten. Zudem müssen die finanziellen Einbussen pandemiebedingt sein und nicht mit Hilfe der Eltern, Ehepartner*innen oder des Staates behoben werden können. Ortega betont: «Erst wenn all das nicht greift, ist es eine Notlage.» Den Vorteil der Nothilfe sieht sie darin, dass Studierende Unterstützung bekommen, bei denen es «absolut notwendig» ist. Das seien «vor allem die, die sich selbst oder zu einem Grossteil selbst finanzieren und vielleicht ihren Job verloren haben», sagt Ortega.

Kein Anspruch auf Unterstützung

Im Frühjahr gingen rund 240 Gesuche ein, von denen etwa 60 Prozent bewilligt wurden. Gemäss einem Mail von Rektor Michael Schaepman Ende September hat die Uni rund 320’000 Franken ausgezahlt. Doch nicht alle haben profitiert, denn die Fachstelle Studienfinanzierung hat auch einige Anträge abgelehnt. Schlecht ausgefüllte Anträge oder solche mit fehlenden Informationen  wurden nicht berücksichtigt. Auch habe laut Ortega oft keine Notlage vorgelegen, etwa, «wenn die Eltern viel Vermögen haben oder jemand mehr Einnahmen als Ausgaben hatte».

Isaias kritisiert ausserdem die Sichtbarkeit des Angebots: «Es ist schwierig abzuschätzen, ob alle Studierenden, die profitieren würden, auch davon gehört haben.» Die, die jedenfalls die Nothilfe kannten und sie in Anspruch genommen haben, seien gemäss Rückmeldungen «wahnsinnig dankbar», sagt Ortega. Reklamationen habe es nur wenige gegeben, und zwar von Personen, «die unzufrieden waren mit dem Betrag oder damit, dass ihr Antrag abgelehnt wurde». Wenn das Gesuch auf die Pandemie-Nothilfe abgelehnt wird, bleiben als Alternativen Stipendien oder Darlehen. Doch solche Finanzspritzen kommen nicht für alle ausländischen Studierenden in Frage. In den Voraussetzungen für Stipendien und Darlehen heisst es etwa: «Master-Studierende ohne Bachelor-Abschluss an einer Schweizer Hochschule können wir leider nicht unterstützen.» Ausländische Bachelor-Studierende mit Aufenthaltsbewilligung B müssen ein abgeschlossenses Assesment-Studium vorweisen.

Pandemie-Nothilfe geht in die zweite Runde

Im bereits erwähnten Mail informierte Schaepman die Studierenden ausserdem, dass die Pandemie-Nothilfe dieses Semester in die zweite Runde geht – mit einem Etat von rund 300’000 Franken. Somit bietet sich eine weitere Chance, noch bis zum 30. November dieses Jahres ein Gesuch einzureichen, auch wenn das erste nicht bewilligt wurde. «Es ist möglich, dass jemand im Frühling abgelehnt wurde, weil noch keine pandemiebedingte Notlage bestand, und im Herbstsemester dennoch etwas bekommt», sagt Ortega. Sie empfiehlt jedoch, nicht nochmals genau denselben Antrag wieder einzureichen, da das nicht zielführend sei. Diesmal werden ausschliesslich Beträge bis 3’000 Franken ausbezahlt. Dass vorübergehend keine Darlehen offeriert werden, sei laut Ortega mitunter auf die geringe Nachfrage der Studierenden zurückzuführen.

Wer einen Antrag für die Pandemie-Nothilfe erstellen will, braucht viel Zeit, um diesen auszufüllen und alle Unterlagen zusammenzutragen. Zudem dürfte für viele die Hemmschwelle hoch sein, ein Gesuch zu stellen und die finanzielle Situation offenzulegen. Dennoch ist es wichtig, dass es solche Angebote gibt, da die Studierenden weiterhin mit den Konsequenzen der Pandemie leben müssen. Solange die Universität sich dafür einsetzt, die finanzielle Notlage zu mildern, dürfte die Situation trotz Jobverlust oder finanzieller Einbussen erträglicher sein.

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