Zoom hat mit Sicherheitslücken zu kämpfen. (Illu: Chazar Akmali Khajouie)

Wie sicher ist Zoom wirklich?

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Am Anfang der Pandemie standen Videodienste wegen Problemen im  Datenschutz unter Beschuss. Mittlerweile hat sich einiges geändert.

Seit der Präsenzunterricht im März dieses Jahres von Onlinesitzungen abgelöst wurde, hat die Universität auf Videodienste wie Zoom oder Microsoft Teams gesetzt, um Veranstaltungen abzuhalten. Allerdings äusserten Datenschützer*innen bald Bedenken hinsichtlich Zoom. Dennoch bezog die Universität eine Zoom-Campus-Lizenz, die bis am 25. März des nächsten Jahres gültig ist.

Da es «vertragliche Bedinungen betrifft», will die Uni nicht bekannt geben, wie viel die Lizenz gekostet hat. Gegenüber der Gratisversion soll sie zusätzlichen Datenschutz bieten.  Im März verzeichnete das 2011 gegründete US-amerikanische Unternehmen Zoom Video Communications Inc. angesichts der Pandemie mit rund 200 Millionen täglichen Nutzer*innen einen neuen Höchstwert. 

Uni schätzte Zoom «neutral» ein

Bald wurden jedoch enorme Sicherheitslücken und Datenschutzprobleme publik. Darunter waren etwa das «Zoombombing», wobei unerwünschte Personen in ungeschützte Sitzungen eintreten und stören, die damals fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sowie «Leaks», die Zugriffe auf Nutzerdaten ermöglichten. Auch die Universität Zürich beurteilte in einer Ersteinschätzung das Onlinetool «neutral» und nicht «zu empfehlen» wie etwa Microsoft Teams.

Die Beurteilung sei laut Thomas Sutter, Leiter der Zentralen Informatik (ZI) der Uni, überholt. «Für die üblichen Anwendungszwecke bietet Zoom genug Schutz der Privatsphäre», sagt er. Daher empfiehlt die ZI neben Jitsi Meet und MS Teams nun auch Zoom. Auf die Frage, ob Zoom mittlerweile sicherer sei, gibt auch die Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich, Dominika Blonski, Entwarnung: «Zoom initiiert laufend Nachbesserungen des Produkts.» Trotzdem rät Blonski im Umgang mit Videokonferenztools zur Vorsicht. User*innen sollen sich nicht nur überlegen, ob es datenschutzkonformere Produkte gebe, sondern über solche Plattformen auch «keine sensitiven Inhaltsdaten teilen».

Genauer inspiziert als die Konkurrenz

Jochim Selzer, Mitglied des Chaos Computer Clubs, erklärt, mit der Kritik an Zoom verhalte es sich nach dem Prinzip: «Je mehr getestet wird, desto mehr findet man.» Zoom sei durch Probleme mit Datenschutz und  Sicherheit in Verruf geraten. Durch ihre Popularität sei die Software aber auch genauer untersucht worden als die Konkurrenz von Microsoft und anderen Anbietern. Folglich gab es bei Zoom gemäss Martin Steiger, Anwalt für Recht im digitalen Raum, «inzwischen Verbesserungen bis hin zu Videokonferenzen mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung».

Dozierende wählen Videodienst aus

Bei der Wahl der Tools durch die ZI der Uni seien gemäss Sutter zwei Kriterien bedeutend. Einerseits sind öffentlich-rechtliche Institutionen dazu verpflichtet, Dienstleistungsverträge ab einer gewissen Kostenhöhe öffentlich auszuschreiben. Andererseits sei der Anwendungsbereich relevant. Entscheidend sind bei diesem laut Sutter Nutzer*innenfreundlichkeit, Funktionalität, rechtliche Themen inklusive Datenschutz und generell die Kosten. Zudem tausche sich die Abteilung Datenschutzrecht der Uni regelmässig mit der Datenschutzbeauftragten des Kantons Zürich aus.

Allerdings gelte es auch, die Wissenschaftsfreiheit zu schützen: «Dozierende sind in der Gestaltung ihrer Lehre frei, sie können also auch die Applikationen frei wählen», sagt Sutter. Im Oktober verkündete die Universität Zürich, dass auch im Frühjahrssemester der Unterricht «wenn möglich digital» stattfinden soll. So müssen die Dozierenden nächstes Semester bei der Wahl des Online-Videotools wieder abwägen, nach welchen Kriterien sie sich für welchen Dienst entscheiden.

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