Im Homeoffice steigt die Belastung für Studierende. Illustration: Sumanie Gächter

Im Homeoffice steigt die Belastung für Studierende. Illustration: Sumanie Gächter

Wie viel leisteten die Studierenden im Shutdown?

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Die Zahlen der Uni Zürich und ETH geben Aufschluss.

Klick. Die Vorlesung beginnt. Klick. Die Vorlesung ist fertig. Klick. Seminarbesuch. Klick. Fertig. Klick. Das waren die Uni-Tage im Lockdown: Zoomsitzung für Zoomsitzung folgte auf Vorlesungen via Switchtube und Gruppenarbeiten per Teams, fast ununterbrochen, bis irgendwann geschlafen werden musste. Die Sonne ging auf, sie ging unter, nichts änderte sich. Die Pandemie zog die mentale Gesundheit der Studierenden in Mitleidenschaft, viele fühlten sich einsam und unsicher. Die naheliegende Schlussfolgerung: Studierende konnten nicht ihre üblichen Leistungen erbringen, machten weniger Credits und schrieben schlechtere Noten, richtig?

Überraschende Ergebnisse

Überraschenderweise zeigen Zahlen der Uni und der ETH, dass die Leistungen der Studierenden im Vergleich zu früheren Jahren auch während den Online-Semestern im Schnitt lagen. So schwankte der Anteil Prüfungen, welche die Studierenden an der Uni bestanden haben, seit 2017 um maximal zwei Prozent. Die einzige Ausnahme war das Frühlingssemester 2020, als aufgrund der Pandemie keine Fehlversuche gezählt wurden. Daher resultierten keine nicht-bestandenen Module.

Aber die Anzahl Credits, die von den Studierenden in den Corona-Semestern gesammelt wurden, entspricht dem jahrelangen Durchschnitt an der Uni: In den Herbstsemestern stets ein bisschen höher, in den Frühlingssemestern stets ein bisschen tiefer. Auch die Zahl der Studienabbrüche der vergangenen Semester unterscheidet sich kaum von jenen vor Corona: In ihren ersten zwei Semestern brechen jeweils rund sieben Prozent der Studierenden das Studium ab, danach stagniert die Zahl der Abbrüche.

Leicht weniger Abbrüche an der ETH

Ein Blick auf die Zahlen der akademischen Leistungen von ETH-Studierenden ergibt ein ähnliches Bild: Die Anzahl geleisteter Credits schwankt nur wenig, dasselbe gilt für die erzielten Noten.

Einzig die Anzahl Austritte ohne Abschluss, womit Abbrüche und Austritte wegen nicht-bestandener Prüfungen gemeint sind, hat sich leicht verändert – aber nicht zum Schlechten: Weil den Studierenden im Sommer 2020 ein zusätzlicher Prüfungsversuch zugestanden wurde, mussten sogar weniger Studierende als üblich wegen zu schlechter Resultaten ihr Studium beenden.

Enorme Belastungen für die Studis

Dass die vergangenen drei Semester nicht einfach gewöhnliche Semester waren, merkt man den Zahlen folglich kaum an. Alles gut, also? Jein. Zwar ist die Tatsache, dass Studierende trotz Corona die gewohnten Leistungen erbringen konnten, auf den ersten Blick durchaus beruhigend. Immerhin bedeutet dies weniger verzögerte Abschlüsse und weniger Studienabbrüche wegen der Pandemie.

Allerdings hatten viele Studierende Schwierigkeiten mit dem Arbeiten im Homeoffice, wie eine Umfrage des VSUZH aus dem Frühling 2020 zeigt. Dort gaben 60 Prozent der Befragten an, unter Konzentrationsschwierigkeiten zu leiden. Etwa die Hälfte berichtete, weniger effizient lernen zu können. Und ein Drittel bestätigte, sich Sorgen wegen ihres Abschlusses zu machen. Nimmt man alle Zahlen zusammen, entsteht ein ambivalenter Eindruck: Geleistet wurde gleich viel wie zuvor, obwohl die Studierenden mit grossen Unsicherheiten und enormen Belastungen zu kämpfen hatten. Ob dies längerfristig nicht doch noch Auswirkungen auf die Studierenden haben wird, bleibt abzuwarten.

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