Marius, Karin, Austin, Saskia und Linus (v.l.n.r.) sind Teil von SimpleTrain. (Bild: SimpleTrain)

Zugreisen leicht gebucht

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Das Reisen auf Schienen ist teuer und kompliziert. SimpleTrain will dem entgegenhalten.

Fünf Gymikolleg*innen plus eine zündende Idee ergeben ein Start-Up: SimpleTrain. Ihre Absicht ist, das nachhaltige Zugreisen für Gruppen und insbesondere Velofahrer*innen attraktiver zu machen. Dafür planen sie individuell zugeschneiderte Zugreisen. Das Hauptziel ist dabei, die Reise so ökologisch und gleichzeitig so günstig wie möglich zu gestalten. Welche Routen sich jeweils anbieten, weiss Marius Portmann am besten: Seine jahrelange Schienenreise-Erfahrung macht ihn zum Kenner der Tricks und Kniffe an europäischen Bahnhofschaltern.

SimpleTrain wirkt zudem der Verwirrung und dem Chaos entgegen, die die Online-Suche nach Reiseverbindungen oft mit sich bringt. 2018 begann Marius in den Semesterferien, kleine Reiseberichte auf einem Facebook-Account zu veröffentlichen. Bald begann er, Kund*innen über die Chat-Funktion zu beraten. So empfahl er ihnen etwa günstige Billette und komfortable Reiserouten.

Zunahme entschleunigter Reisen

Eine individuelle Reiseberatung, gekoppelt mit der preiswertesten Ticket-Option, war die Marktlücke, die Marius gefunden und gefüllt hat. Seit im Sommer 2019 Austin Widmer und Linus Egli dazu stiessen, besteht SimpleTrain aus einer dreiköpfigen Geschäftsleitung. Dank ihren Kenntnissen in der Buchhaltung konnte das Start-Up expandieren. Den Facebook-Account ergänzen nun LinkedIn und Instagram. Saskia Bilang und Karin Hugentobler, die neusten Mitarbeiterinnen, sind für die Kommunikation zuständig.

Helikopter, Flugzeug und Kreuzfahrtschiff: SimpleTrain verkörpert genau das Gegenteil, nämlich Nachhaltigkeit. Der Migros-Pionierfonds unterstützt sie aus diesem Grund seit Oktober 2020 bis 2023. Neben ökologischen Reisen will das Start-Up Menschen wieder fürs Zugfahren begeistern. Das bedeutet eine Destinationsverschiebung im Sinn von «Bari statt Bali». «Es gibt keinen Bahnhof in Europa, den SimpleTrain nicht ansteuern könnte», sagt Austin. Damit spricht er insbesondere auch Gruppen- und Veloreisen an, die online sehr umständlich zu recherchieren und buchen sind. Bei komplizierteren Reiserouten bietet SimpleTrain auch persönliche Beratung an.

Mittlerweile verkauft SimpleTrain zwischen 2’500 und 3’500 Individualreisen im Jahr. Ihr Mantra dabei lautet: So günstig wie möglich, so viel auf Schienen wie möglich. Fährverbindungen sollen bald folgen. Allein die Unterkunft ist Sache der Reisenden selbst.

Buchung per Handarbeit

SimpleTrain basiert auf dem Erfahrungsschatz von Marius. Die erste Hürde im Jungunternehmen ist folglich die Arbeitsaufteilung. Marius ist fast ausschliesslich für die Buchungen zuständig – und schafft bis zu 70 davon pro Tag. Das ist ein ordentlicher Aufwand, gleichzeitig möchte Marius die Buchungen noch nicht aus der Hand geben. Für ihn ist klar: «Hinter unseren Individualreisen wird immer manuelle Arbeit stecken.» Seit Kurzem vereinfacht ihm jedoch ein neues Buchungstool die Arbeit.

Ob er selbst überhaupt noch zum Reisen kommt? Sofort schwelgt Marius wie als Gegenbeweis in einer Lockdown-Erinnerung. Er besuchte eine beinahe tourismusfreie Stadt, die noch bis 2020 unter der Last der Menschenmassen geächzt hatte: «Obwohl hektisch und laut, fühlst du dich sicher und willkommen, auf Töfflis fahren sie durch engste Gassen, spielen an den kleinsten Plätzen Fussball und du kannst den Menschen direkt in die Wohnung schauen.» Von welchem Reiseziel ist die Rede? Natürlich Napoli!

 

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